SO-66 Winterschaufenster 2022 – von außen zu sehen

Leuchtender Wintergarten

Lichtrauminstallation  –  16.01.- 06.03.2022

Veronika Teigeler

Wenn im Januar die Lichterketten für die Weihnachtsdekoration wieder verpackt werden, beginnt eigentlich die schwere dunkle Zeit im Jahreslauf, schwer, weil sich zu fehlendem Licht auch noch regional spezifisch Kälte und Nässe gesellen. Wir haben für diese Konstellation das Wort „usselig“. 

Doch nun startet vor Einbruch der Dunkelheit per Zeitschaltuhr in der Münsteraner SO-66 Produzentengalerie die Lichtinstallation „Leuchtender Wintergarten“ der Künstlerin Veronika Teigeler. Sie bringt uns Licht und durchbricht die Dunkelheit. Wir drücken unsere Nasen an der Schaufensterscheibe platt, um etwas von der wärmenden Leuchtkraft ihres Wintergartens aufzunehmen, um in ihrer künstlerischen Rauminstallation draußen zu sein und doch ein wenig drinnen, geschützt und doch bei der Natur. 

 

Zentral für die Installation ist ein bewegliches, rundes Gewächshaus mit seinem Licht- und Schattenspiel zwischen Innen und Außen. Veronika Teigeler hat es aus benutzter Treibhausfolie gebaut. Die Bewässerung hat im Laufe der Jahre Farbspuren auf der Folienoberfläche hinterlassen, die es in ein interessantes warmes Licht mit spezifischen Lichtpunkten tauchen. Zwei große Bahnen aus Treibhausfolie wurden im Stile der Hinterglasmalerei mit zurückhaltenden Braun-Grün-Gelb-Rottönen bearbeitet und erhalten so eine eigene Farbtiefe. Raumtiefe hingegen schafft ein Motiv, das Veronika Teigeler auf ihren Recherchen nach verwunschenen Treibhausgärten in Westfalen fotografiert hat, interessiert sie sich doch seit längerem für diese verlassenen Orte zwischen Kultur und Natur. Aus diesem Werkzyklus stammen auch die vier Lichtkästen auf der Fensterbank hinter dem Schaufenster der Produzentengalerie, die uns hineinziehen in den Lichtraum. Die querformatige Arbeit an der rechten Raumwand hingegen fängt den Bilderbuch-Winter ein, mit feinem Pulverschnee auf Bäumen. Doch das Bild von kristallinem Schnee und Ästen ist auch hier eher zur Struktur verdichtet, denn dokumentarisch eingesetzt. 

 

Mit dem Spiel von Licht und Schatten, von Innen und Außen gestaltet Veronika Teigeler ein fein strukturiertes Landschaftsbild im umbauten Raum. Der „Leuchtende Wintergarten“ der Künstlerin erinnert in Zeiten winterlicher Dunkelheit an die zyklische Lebenskraft der Natur. Es ist sicher: Bald sprießen die ersten Schneeglöckchen und wenn die Lichtinstallation im Märzen ausgeschaltet sein wird, müssen alle wirklich raus in den Garten zum Umgraben, Hacken, Pflanzen und Säen. 

 

Text: Dr. Uta C. Schmidt, Kunsthistorikerin, Dortmund

 

 

Zu einem Blick durch das Schaufenster der SO-66 Produzentengalerie in die leuchtende Rauminstallation laden wir herzlich ein

Ihr SO-66 Team

 

 

Rückschau

Ich tanze Schwarz

14.11. - 19.12.2021

Crista Book und Ruth Stuckenberg

Crista Book und Ruth Stuckenberg interpretieren in einer gemeinsamen künstlerischen Arbeit Parallelen zwischen der historischen Pandemie „Pest“ und der Aktualität von „Covid 19“. 

Die Vereinsamung durch Isolation ist damals wie heute ein großes Problem; im Mittelalter wurden die Pestkranken aus den Städten vertrieben, heute sind wir gezwungen, uns in die Selbstisolation zu begeben, zum Eigenschutz ebenso wie zum Schutz der Gesellschaft. Das erzwungene Alleinsein erzeugt Schmerz und Trauer, diesen Emotionen der Vereinsamung spüren die Künstlerinnen in einer Tanz-Performance nach. Mit dem Titel „Ich tanze Schwarz“ beziehen sie sich auch auf die Farbe, die in unserem Kulturkreis für Trauer steht. Die tänzerischen Positionen von Ruth Stuckenberg sind diesen Emotionen nachempfunden, geben ihnen eine subjektive Darstellung und setzen sie um in Körperbilder, fotografisch festgehalten und dokumentiert von Crista Book. Diese Fotografien zeigen die Tänzerin in Lebensgröße, sie werden sowohl als Projektion auf die Galerie-Wand geworfen als auch auf großformatigen Transparenten gezeigt. Diese raumgreifenden Exponate sind frei hängend im Raum installiert und drehen sich um die eigene Achse. Bei Dunkelheit kreisen sie in einem eigenen Lichtkegel.

Ruth Stuckenberg zeigt zudem in dieser Ausstellung ihre Arbeiten "Diludium" und „Hortus Herbarum“: Abbildungen verschiedener Pest- und Heilkräuter, gedruckt auf Plexiglasplatten. Im Mittelalter war vornehmlich in den Klostergärten der Kräutergarten, der „Herbularius“, von großer Bedeutung. In ihm waren alle wichtigen Kräuter zur Herstellung von Medizin zu finden. Im Laufe der Jahrhunderte ging viel vom damaligen Wissen verloren und der einstige Nutzen der Kräuter geriet in Vergessenheit. Die Künstlerin möchte ehemals gegen die Pest eingesetzte Heilkräuter zurück in unsere Gegenwart holen. 
Als Vorlage für die Drucke dienen ihr eigene Malereien, gefertigt in einer Mischtechnik aus Acrylfarbe und Filzstift, die anschließend digital bearbeitet wurden. Leuchtend bunt und abstrahiert bilden sie einen spannenden Gegenpol zu den melancholischen Arbeiten von Crista Book, "eine Symbiose aus altem Wissen und moderner Kunst."

Zur Eröffnung sind die beiden Künstlerinnen anwesend und führen durch ihre Ausstellung.
Wir laden herzlich ein und freuen uns auf Ihren Besuch.

Ihr SO-66 Team


Ausstellungsbeginn: Sonntag 14. November 2021 um 15.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.11. - 19.12.2021
Öffnungszeiten: Sa + So 15.00 - 18.00 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 0175 6052617 

Es gelten die aktuellen Corona-Bedingungen.

www.cristabook.de
www.ruthstuckenberg.jimdofree.com

WN 13.11.2021
WN 13.11.2021

SO-66 Produzentengalerie

Soester Straße 66

48155 Münster

 

Öffnungszeiten:

SA + So 15:00-18:00 Uhr

 

Tel.: 0175 605 26 17

so-66@web.de

www.so-66.de

Vorschau

20.03. - 08.05.2022

Jubiläumsausstellung

15 Jahre SO-66

 

Dokumentation Winterschaufenster 2021

Der WDR zu Gast
in der SO-66